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Frühgeschichte
Frühe Piasten
Timeline

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Frühe Piastenherrschaft bis 1138

Piasten - die piastische Dynastie geht der Legende nach auf deren bäuerlichen Gründer Piast zurück, dessen Nachfahren Siemowit, Leszek, Siemomysl und schließlich Mieszko I. gewesen sein sollen. Ohne näher auf die Legende eingehen zu wollen, fest steht dass Mieszko I. um 960 die polnischen Stämme unter straffer Führung geeinigt hat und 966 das Christentum nach römischem Ritus für sich und sein Volk annahm, was eine äußerst kluge Entscheidung war. Zum einen, weil Polen dadurch nicht zwischen missionseifrigen Nationen und Stämmen aufgerieben wurde und zum zweiten, weil Mieszko und später sein Sohn Boleslaw auch unter dem Vorwand der Heidenmission die eigenen Grenzen ausweiten konnten. Zwei Jahre nach der christlichen Taufe Polens wurde dann in Posen das erste Missionsbistum errichtet, unabhängig vom deutschen Erzbistum in Magdeburg und mit direktem Draht nach Rom. Oberstes Ziel der Außenpolitik Mieszkos I. war die Vergrößerung seines Herrschaftsgebietes, so ist es auch zu erklären, dass Mieszko die kaiserliche Oberherrschaft anerkannte und für neueroberte Gebiete Tribut zu zahlen bereit war, ohne jedoch vorerst in ein förmliches Lehensverhältnis zu geraten. 986 huldigte er Otto III. als Vasall und konnte dadurch auch auf dessen Hilfe bei der Eroberung Kleinpolens und Schlesiens setzen.

Als Mieszko I. 992 starb setzte sein Sohn Boleslaw I. Chrobry (der Tapfere) seinen Herrschaftsanspruch durch und schloss bis zum Ende des ersten Jahrtausends die schon von seinem Vater begonnene Eroberung Kleinpolens und Schlesiens ab. Parallel zum weltlichen Machtausbau und der inneren Festigung Polens sorgte die Entscheidung Papst Silvesters III. zur Errichtung des Erzbistums Gnesen im Jahr 1000, mit den Suffraganen Krakau, Breslau, Kolberg und Posen, für den Aufbau einer eigenen Kirchenstruktur (unabhängig vom Erzbistum Magdeburg und dem dt. Kaiser) und damit langfristig für eine Loslösung Polens vom Deutschen Reich. In langen Kämpfen gegen Kaiser Heinrich II. und die Przemysliden konnte Boleslaw der Tapfere während seiner Herrschaftszeit die Lausitz, Teile von Mähren und der Slowakei, sowie Schlesien und Pommern an Polen angliedern. Den Höhepunkt seiner Macht erlebte er, als er sich zu Weihnachten 1024 mit Einwilligung von Papst Johannes XIX. zum König von Polen krönen ließ - allerdings starb er schon ein halbes Jahr darauf.

Mit dem Tod Boleslaws I. endete auch die erste frühpiastische Blütezeit. Durch Erbstreitigkeiten gingen viele der eroberten Gebiete nach und nach wieder verloren und Polen zersplitterte für die nächsten fast dreihundert Jahre in viele, sich zum Teil heftig bekämpfende Teilfürstentümer. Die einzige Institution die die Polen noch an ihre gemeinsame Vergangenheit und ihre Zusammengehörigkeit erinnerte war die polnische Kirche. Im 14. Jahrhundert gab es dann erstmals wieder ernsthafte Versuche Polen zu einigen, da man sich angesichts der mächtigen Gegner an den "polnischen" Grenzen darüber im klaren war, nur gemeinsam überleben zu können.

Aber der Reihe nach: Die folgenden neun Jahre nach Boleslaws Tod waren geprägt von Nachfolgestreitigkeiten, in deren Folge die Königswürde wieder verloren ging und Polen kurzfristig sogar dreigeteilt war. Boleslaw I. Chrobry bestimmte nicht seinen erstgeborenen Sohn Bezprym, sondern den jüngeren Mieszko II. Lambert zum Nachfolger, was den deutschen Kaiser und den Fürsten von Kiew zur Intervention veranlasste. Mieszko II. konnte sich zwar noch bis 1031 halten, musste dann aber nach Böhmen fliehen, während Bezprym die Herrschaft übernahm und als Gegenleistung für die Hilfe auf die Königswürde verzichtete. Aber schon ein Jahr später wird er ermordet, Mieszko II. Lambert kommt zurück, muss sich 1033 dem Kaiser unterstellen und wird 1034 ebenfalls ermordet. Während dieser Zeit gingen die Lausitz und Mähren wieder verloren.

Nach Mieszkos Tod war die erste große Krise in der noch jungen Geschichte Polens perfekt. Sein Nachfolger Kazimierz I. wurde 1037 nach einer Erhebung des Adels vertrieben, der Böhmerherzog brach brennend und sengend nach Polen ein, verwüstete große Teile des Landes und behielt Schlesien für sich, Pommern wurde vom Dänen Knut besetzt, Masowien wurde bis 1047 ein unabhängiges Herzogtum und zu allem Überfluss führte die allgemeine Anarchie in der gerade erst christianisierten Bevölkerung zu einer heidnischen Reaktion - Geistliche wurde vertrieben oder erschlagen, Kirchen und Klöster niedergebrannt, das kirchliche Leben kam zum erliegen.

Mit Unterstützung Kaiser Heinrichs IV. und des Fürsten von Kiew konnte Kazimierz sich 1039 an die Rückgewinnung und Erneuerung des Landes machen, daher auch sein Beiname Kazimierz I. Odnowiciel, der Erneuerer. Deutsche Benediktinermönche wurden ins Land geholt, Klöster gegründet, das kirchliche Leben langsam wieder aufgebaut. Masowien wurde unterworfen und wieder eingegliedert, Pomerellen ebenso und schließlich 1050 auch wieder Schlesien. Sein Sohn und Nachfolger Boleslaw II. Smialy (der Kühne) konnte den Investiturstreit zwischen Papst und Kaiser und die bürgerkriegsähnlichen Zustände im Reich unter Kirchenbann dazu nutzen, durch konsequent antikaiserliche Politik den Papst zur Billigung seiner Krönung zum König von Polen (Weihnachten 1076) zu bewegen - kurz vor Heinrichs IV. Gang nach Canossa und gut 50 Jahre nach dem Tod Boleslaws I. Chrobry.

Dennoch war Polen innenpolitisch unruhig und der König keineswegs unumstritten. Keine drei Jahre nach seiner Krönung lies er den Krakauer Bischof Stanislaus, den späteren Nationalheiligen, durch Abhacken der Glieder, nachdem er des Verrats beschuldigt wurde, grausam hinrichten - ein willkommener Anlass für die Opposition einen Aufstand anzuzetteln, Boleslaw zu vertreiben und seinem schwachen, leicht beeiflussbaren Bruder Wladyslaw Herman zur Macht zu verhelfen. Dieser versuchte erst gar nicht die Königswürde zu erneuern und hatte auch innenpolitisch so schwer zu kämpfen, dass eine aktive, selbstbewusste Aussenpolitik unmöglich war.

Nach seinem Tod im Jahre 1102 kam es zu den fast schon üblichen Nachfolgestreitereien zwischen seinen Söhnen Zbigniew und Boleslaw, die der jüngere, beliebte und unternehmungslustige Boleslaw III. Krzywousty erst 1107 endgültig für sich entschied. Und wieder sprach der durch die ewigen Streitereien immer mächtiger werdende Adel ein kräftiges Wörtchen mit - und gerade der Landadel versprach sich nach Jahren der Stagnation vom wagemutigeren Boleslaw III. eine expansivere Aussenpolitik und somit "fette Beute". Tatsächlich gelang es ihm 1114 den böhmischen Verzicht auf die Oberherrschaft über Schlesien zu erzwingen, ebenso wie die Rückgewinnung Pommerns, das er 1135 auf dem Hoftag zu Merseburg von Kaiser Lothar III. zu Lehen nahm.

Vielleicht aus seiner eigenen Erfahrung im Kampf um die Nachfolge seines Vaters und um eine nochmalige Schwächung des Landes nach seinem Ableben zu verhindern, machte er sich schon frühzeitig Gedanken über eine geregelte Nachfolge. Er hatte vier Söhne und wollte einen erneuten Bruderkrieg verhindern. Zu diesem Zweck schuf er die Senioratsverfassung: der älteste Sohn sollte als Senior die Herrschaftsrechte hinsichtlich Verwaltung, Münze, Heerführung, Justiz, Aussen-, Verteidigungs- und Kirchenpolitikpolitik innehalten, sowie die förmliche Aufsicht über die den anderen Erbberechtigten zur Versorgung überlassenen Ländereien. Desweiteren fallen dem Senior Krakowien, Pommern und ein Teil des südlichen Großpolen als Krongut zu. Diese Senioratsverfassung trat mit dem Tod Boleslaws III. in Kraft und führte in der Folge zu einem regelrechten Flickenteppich von Teilfürstentümern und dem Zerfall Polens als Staat an sich.