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"Kornspeicher Europas" war bis zum XVIII Jahrhundert das Synonym für Polen - also bis zum Verlust der staatlichen Unabhängigkeit (1795 bis 1918); auch heute befürchten manche Politiker, dass Polen mit seiner Landwirtschaft die Agrarproduktion in der EU nach dem EU-Beitritt verdoppeln könnte.

Polen hat nach dem Ende des sozialistischen Wirtschaftssystems eine erstaunliche und harte Wandlung zur freien Marktwirtschaft vollzogen und erzeugt bei den Volkswirtschaftlern großen Respekt:

"Polen ist die Erfolgsstory unter den osteuropäischen Übergangsländern. Die Industrieproduktion wird in diesem Jahr um 18 Prozent höher liegen als 1989 - damals begannen die früheren kommunistischen Staaten in Mittel- und Osteuropa ihre schwierige Reise in die freie Marktwirtschaft. Die übrigen Staaten in der oberen Hälfte der Skala, Tschechien, Ungarn, die Slowakische Republik und Slowenien sind mehr oder weniger dort, wo sie 1989 waren. Polen muss den Schwung der Reformen aufrechterhalten. Es muss seine Kohle- und Stahlindustrie reformieren und den zersplitterten Agrarsektor neu organisieren."
[Financial Times, Dezember 1998].

Die Ökonomen der EU-Kommission halten in Ihrem Bericht vom Juli 1999 fest:

"Polen verdankt im Gegensatz zu Ungarn seinen wirtschaftlichen Erfolg zwischen 1992 und 1997 den eigenen Bemühungen. (...) Im Unterschied zu den anderen Reformländern, nimmt die polnische Wirtschaft, dank freien und aktiven Unternehmertums immer mehr einen privaten Charakter an. (...) Eine Finanzkrise ist in Polen z.Zt. eher unwahrscheinlich. "
[InternetMeldungen der Polnischen Presse Agentur www.PAP.com.pl vom August 1999]

Die Fachleute heben in Ihrem Bericht ganz besonders hervor, dass dabei die Auslandsinvestitionen, anfangs im Gegensatz zu Ungarn, eine eher marginale Rolle gespielt haben.

Zu Beginn des Wandels in Mittel- und Osteuropa eher vernachlässigt, rückt Polen heute, nicht nur aufgrund seiner zentralen Lage in Europa, immer mehr in den Mittelpunkt des Interesses von ausländischen Investoren. So vermeldet die polnisch-staatliche Agentur PAIZ, dass der Wert der ausländischer Direktinvestitionen im ersten Halbjahr 1999 um 4,9 Mrd. US-$ auf 35, 5 Mrd. US-$ gestiegen ist. Es wurden inzwischen über 750 ausländische Unternehmen registriert, die in Polen mehr als 1 Mio. US-$ investiert haben. Daneben gibt es sehr viele kleinere und mittlere Investoren, oft von Auslandspolen, deren investiertes Kapital bei dieser Rechnung nicht berücksichtigt wird, da unter einer Million. Im Laufe 1999 wird mit einem weiteren Zufluss von Auslandskapital in Höhe von 11 Mrd. US-$ gerechnet.

Die größten Auslandsinvestitionen kommen aus:

Deutschland 6,07 Mrd. US-$
USA 5,00 Mrd. US-$
Italien 3,15 Mrd. US-$
Niederlande 3,08 MRD. US-$
Frankreich, Großbritannien, Südkorea, Russland

59 % der Investitionen kommen aus der EU, 14,5% aus Nordamerika und 7,2% aus Asien.
Die Spitze der Firmeninvestments in Polen hält traditionell FIAT mit 1,41 Mrd. US-$ und Daewoo mit 1,39 Mrd. US-$.

In letzter Zeit ist ein verstärktes Engagement ausländischer Banken und Versicherer zu beobachten. Insgesamt werden die Investitionen jedoch zu 61 % in der Produktion getätigt, wobei vor allem die Lebensmittelherstellung, Fahrzeugproduktion, Papier-, Chemie- und Elektroindustrie gehören, gefolgt von Handel- und Finanzsektor, sowie der Bauwirtschaft.

Deutschland ist seit 8 Jahren der größte Außenhandelspartner Polens, umgekehrt ist das Land der größte Außenhandelspartner Deutschlands in Mittel- und Osteuropa (vor Russland). Etwa 100.000 Arbeitsplätze in Deutschland hängen heute direkt von dem Außenhandel mit Polen ab. Von den in Polen aktiven deutschen Firmen treten insbesondere Allianz, Commerzbank, Deutsche Bank, Gerling-Konzern, HypoVereinsbank, Metro, Opel und Volkswagen hervor.

Die größten Teile des BIP werden erzeugt in den Großräumen um Katowice 12,6%, Warszawa 12,5% und Poznan 4,9%. Weitere Zentren sind die Städte: Wroclaw, Gdansk, Szczecin, Lodz und Krakow. Polens größte Wirtschaftssektoren sind die Dienstleistungen mit 55%, gefolgt von der Industrie mit 38% und der Landwirtschaft mit 7% des BIP

Die größten Exporteure sind in den Sektoren
- Rohstoffe: (KGHM Polska Miedz, Weglokoks, Huta Katowice, Impexmetal)
- Maschinenbau / Elektrotechnik (Fiat, Elektrim, Volkswagen Poznan, Philips, Thompson Polcolor)
- Chemie (Ciech, Stickstoffwerke Tarnow, Police, Autoreifen Debica, Petrochemie Plock)
- Nahrungsmittel (Animex, Rolimpex, Agros)

Trotz vielfacher Regierungswechsel wurde der 1990 von Prof. Leszek Balcerowicz eingeleitete Transformations- und Reformprozess mit geringen Korrekturen beibehalten. Der wirtschaftliche Erfolg und die unermüdliche Arbeit an weiteren Reformen sollen das Land bis 2003 EU-reif machen.
Obwohl die schnellen Reformen vielfach soziale und gesellschaftliche Spannungen und innerpolitischen Streit hervorrufen wird in Polen unermüdlich an weiteren Reformen gearbeitet. So wird aktuell die Administration (i.B. Stärkung der Regionalverwaltungen), das Gesundheitssystem (Einführung von Kassensystemen), das Rentensystems (Finanzierung z.Zt. auch über den Kapitalmarkt), und das Bildungssystems reformiert. Auf einen besonderen Widerstand stoßen z.Zt. die Balcerowicz-Pläne zur Reform des Steuersystems. So soll z.B. das progressive Steuersystem der Einkommenssteuer durch 3 Steuersätze (36, 29 und 19) ersetzt und mittelfristig ab 2001 weiter auf einen einheitlicher Steuersatz zwischen 25% und 35% zurückgeführt werden.

Zu Beginn der Reformen ging dem wirtschaftlichen Aufschwung ein Rückgang der Brutto-Inlands-Produktion um 30% im Ersten Jahr der "Schocktherapie" voraus. Dies führte zur vorübergehenden Verarmung breiter Kreise der Bevölkerung und ungleichmäßiger Verteilung der Einkommen. Im sozialen Bereich werden z.B. Löhne gezahlt, die zum Teil das Existenzminimum unterschreiten. So meldet die polnisch-staatliche Agentur PAIZ für das 2. Quartal 1999 ein Durchschnittseinkommen von 1659,48 Zloty (~386 Euro Ende 1999).

Im Bericht der EU- Kommission vom November´98 wird das Land zumindest als marktwirtschaftlicher Musterknabe betrachtet. Mit einem jährlichem Wachstum zwischen 5 und 7% seit 1992, einer Arbeitslosenquote von 9% für 1999 (wobei es sehr große regionale Unterschiede gibt) und einer (aus Rücksicht auf die Konjunktur und die Beschäftigungspolitik langsam fallenden) Inflation von 8% ist Polen, neben Irland, heute das Land mit der dynamischsten Wirtschaftsentwicklung in Europa.

Bereits seit 14. März 1996 strebt Polen offiziell die EU Mitgliedschaft an. Die Beitrittsverhandlungen sollten 1999 beginnen; mit dem Beitritt in die EU sei 2002-2006 zu rechnen. Die Mitgliedschaft in der EWWU wird in den Jahren 2006-9 angestrebt. Polen ist Mitglied folgender Organisationen: OECD, CEFTA, OSZE (Vorsitz 1998), UNO, NATO, ...

Potentielle Investoren finden nicht nur eine gute "Humaninfrastruktur", sondern auch eine starke Binnennachfrage auf einem großen Markt mit 40 Mio. Konsumenten (also vergleichbar mit Ungarn, Tschechien, Slowakei, Litauen, Estland, Lettland, Slowenien und Kroatien zusammen!!). Polen verfügt ebenfalls über traditionell gute Beziehungen und Wirtschaftserfahrungen mit Russland, Weissrussland und der Ukraine, so dass es ein idealer Handelsplatz und Ausgangspunkt für jeden Investor ist, der über eine Expansion in diese Märkte nachdenkt.

Weitere interessante Wirtschaftsseiten:
bulletBüro des Handelsrates der Republik Polen in Wien
bulletDeutsch-Polnische Industrie- und Handelskammer
bulletWirtschaftliche Entwicklung Polens
von Tomasz Seredynski, Wien 31.01.2000
bulletPolish Business Directory (engl.)
bulletBusiness Polska (engl.)
bulletPolen aktuell
eine Wirtschaftszeitung von Baltic-Consult. Ausgesuchte, umfassende Informationen für Entscheider westeuropäischer Investoren
bulletUnit Online
Hervorragende Seite des polnischen Fachverlages UNIT mit sehr guten aktuellen Brancheninfos und Kontaktvermittlung in den folgenden Bereichen:
- Schreibwaren und Bürobedarf
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sowie Pharmazie, Kosmetik und Optik